Mikrobiologische Präanalytik

Das folgende mikrobiologische Untersuchungsspektrum wird in unserem Labor durchgeführt:

- Mikroskopische Untersuchung auf Bakterien, Pilze, Protozoen, Wurmeier.- Kultur und Identifizierung aller kultivierbaren Bakterien und Pilze einschließlich schwierig anzuzüchtender Erreger wie Legionellen.- Resistenztestung/Antibiogramm nach DIN/Eucast, ggf. nach weiteren Normen mit verschiedenen Methoden (Agardiffusionstest, MHK-Bestimmung mit Mikrodilution, Vitek®-System).- Rasche Direktnachweise von Erregern mittels Nachweis von Antigenen oder Genamplifikation: Adenoviren, Astroviren, Bordetella pertussis, Chlamydia trachomatis, Chlamydophila pneumoniae, Clostridium difficile-Toxine, Cytomegalievirus, EHEC-Toxine, Hepatitis B-Virus, Hepatitis C-Virus, Herpes simplex-Virus, HIV, Influenzavirus, Mycoplasma pneumoniae, Neisseria gonorrhoeae, Noroviren, Pneumocystis jiorveci, Rotaviren, Varizella Zoster-Virus und andere.- Mikrobiologische Hygieneuntersuchungen wie z. B. patientennahe Umgebungsuntersuchungen mittels Abstrichen und Abklatschen, Sterilitätskontrollen von Flüssigkeiten und die Kontrolle von Autoklaven, Dialyseeinheiten sowie Endoskopen und anderen wiederaufbereiteten Medizinprodukten.

Lagerung und Haltbarkeit von Untersuchungsmaterial(Übersicht, Einzelheiten siehe bei den speziellen Materialien):

Optimal ist immer ein rascher Probentransport innerhalb von 4 Stunden in das Labor. Bei Beachtung der nachfolgenden Hinweise bleiben aber mit wenigen Ausnahmen die meisten Erreger 1 – 2 Tage kultivierbar.

Urin: Lagerung bei 4 – 6 °C problemlos möglich. Verwendung spezieller Transportröhrchen mit Zusatz wachstumshemmender Borsäure (Uri-stat® Urin-Proben-Transportsystem). Diese sind nicht geeignet für klinisch-chemische Untersuchungen oder den Gennachweis von Chlamydia trachomatis!

Urin auf Eintauchnährböden: Bebrütung 18 Stunden im Brutschrank bei 36 °C. Bei Wachstum Einsendung in das Labor zur Identifizierung und Resistenzbestimmung, ggf. Lagerung bei 4 – 6 °C.

Abstriche: Immer im Transportmedium zum Schutz vor Austrocknung und Sauerstoff (anaerobe Keime). Spezielles Abstrichbesteck für mikrobiologische Abstriche anfordern. Lagerung bei Raumtemperatur.

Sputum, Bronchialsekret, BAL: Lagerung 4 Stunden bei Raumtemperatur, längere Lagerung, wenn unvermeidbar, bei 4 – 6 °C (einzelne empfindliche Erreger können Schaden nehmen).

Stuhl: Lagerung bei 4 – 6 °C. Einzelne empfindliche Erreger können Schaden nehmen.

Blutkulturen: Kulturflaschen lichtgeschützt bei Raumtemperatur lagern. Nach Beimpfung ebenfalls bei Raumtemperatur inkubieren, nicht im Brutschrank!

Material für mikroskopische Untersuchungen, Antigennachweise, Gennachweise: Lagerung in aller Regel mind. 1 – 2 Tage bei ·4 – 6 °C möglich.

Zeitlicher Ablauf einer mikrobiologischen Untersuchung

- Tag 0: mikroskopisches Direktpräparat- Tag 1 – 2: kulturelle Anzüchtung- Tag 2 – 4: Erregeridentifizierung und ResistenztestungLangsam wachsende Keime wie z. B. Tuberkulosebakterien können zu längeren Untersuchungszeiten führen.

Allgemeine Regeln

- Bitte nur die vom Labor kostenlos zur Verfügung gestellten sterilen Entnahme- und Transportsysteme verwenden.- Wenn möglich, Materialentnahme unbedingt vor Beginn einer antibiotischen Therapie. Andernfalls Abnahme am Ende des Dosierungsintervalls. Auch eine klinisch nicht oder nicht ausreichend wirksame Therapie führt oft dazu, dass der für die Infektion verantwortliche Erreger nicht mehr kultivierbar ist. Ggf. Therapie auf Anforderungsschein angeben.- Möglichst präzise Angaben über:Ort, Datum und Uhrzeit der Entnahme, Art der Erkrankung und genaue FragestellungEine gezielte Anforderung wird sehr erleichtert durch Verwendung spezieller mikrobiologischer Anforderungsscheine. Hierfür können 2 Formulare (1 Formular für Krankenhäuser/Privatpatienten und eine KV-genehmigte Kombination mit dem Überweisungsschein Muster 10 angefordert werden.- Die Auswahl der Untersuchungen und die Beurteilung nachgewiesener Keime als klinisch relevant (Resistenztestung) oder nicht relevant hängt sehr von diesen Informationen ab. Klare Angaben ermöglichen eine gezielte und kostengünstige Diagnostik.- Bei allgemeiner Anforderung (z. B. »pathogene Keime«) untersucht das Labor auf die häufigsten und mit wenig aufwändigen Methoden nachweisbaren Erreger. Das Untersuchungsspektrum bei nicht gezielter Anforderung und die hierbei erfassten Erreger sind bei den einzelnen Materialien aufgeführt (siehe unter »spezielle Hinweise zu einzelnen Untersuchungsmaterialien«).- Untersuchungen auf spezielle oder nur mit besonderen Methoden nachweisbare Erreger müssen immer gesondert angefordert werden (ggf. telefonische Beratung). Hierzu gehören: Mykobakterien/Tuberkulose, Clostridium difficile, Chlamydia trachomatis, Chlamydophila pneumoniae, Mycoplasma pneumoniae, Viren (außer Rotaviren und Adenoviren im Stuhl bei Kindern), alle Parasiten, Fadenpilze wie Aspergillus, Pneumocystis jiroveci, Aktinomyzeten, Nokardien, Helicobacter pylori und andere.- Auf Haut und Schleimhaut finden sich normalerweise Bakterien in sehr hohe Keimzahlen! Grundsätzlich ist anzustreben, eine Kontamination durch die normale Haut- und Schleimhautflora so weit wie möglich zu vermeiden.- Bei allen flüssigen Materialien wird ein Hemmstofftest durchgeführt. Bei einem positiven Testergebnis, in der Regel aufgrund einer Antibiotika- Therapie, sprechen negative Kulturergebnisse oder geringe Keimzahlen nicht gegen eine bakterielle Infektion. Ggf. sollte die Untersuchung einige Tage nach Absetzen der Antibiotika wiederholt werden.- Die Resistenztestung erfolgt nach DIN/Eucast, ggf. weiteren Normen, mit Ausnahme von Urinkulturen und oberflächlichen Abstrichen unter Einsatz der im Vergleich zum üblichen Agardiffusionstest wesentlich genaueren MHK-Breakpointmethode. Automatische Zusatztestung erfolgt bei hochresistenten Keimen (lt. EBM müssen mind. 8 Antibiotika getestet werden, die Testung weiterer Substanzen wird nicht berechnet!). Die qualitative Bestimmung der Resistenz mit Einordnung in die 3 Kategorien: resistent, mäßig resistent und sensibel ist kostengünstig und in den meisten Fällen klinisch völlig ausreichend. In manchen Situationen ist eine Bestimmung der Minimalen Hemmkonzentration (MHK) sinnvoll (z. B. bei Endokarditis, Verdacht auf Resistenz gegen Vancomycin/Teicoplanin bei Staphylokokken und Enterokokken, Verdacht auf verminderte Penicillinempfindlichkeit bei Pneumokokken u. a.). Siehe auch Antibiotika-Therapie-Tabelle im Analysenteil mit Dosierungen, Indikationen, Kontraindikationen und Preisen.- Falls medizinisch sinnvoll, wird eine Therapieempfehlung gegeben. Die Indikation zur antibiotischen Behandlung und die Auswahl der Antibiotika hängen in den meisten Fällen auch wesentlich vom klinischen Bild ab. Empfehlungen allein aufgrund des Laborbefundes gelten daher nur für Standardsituationen. Bei klinischen Besonderheiten bitten wir um Rücksprache.- Die angezüchteten Keime werden nach Abschluss der Untersuchungen noch mindestens 2 Tage, die Untersuchungsmaterialien 7 Tage aufbewahrt. In diesem Zeitraum können ergänzende Untersuchungen wie Testung weiterer Antibiotika, MHK-Bestimmung, Subtypisierung u. a. nachgefordert werden.- Kontrollen der Haut- und Schleimhautbesiedlung können in bestimmten Situationen (z. B. Leukämie, Chemotherapie, selektive Darmdekontamination, Hospitalismus) notwendig werden. Diese spezielle Fragestellung muss auf dem Anforderungsformular vermerkt sein.

Schließlich noch eine Anmerkung zu den Kosten mikrobiologischer Untersuchungen: Nicht sinnvoll sind Einsparversuche durch Verzicht auf sinnvolle Untersuchungen oder Verzicht auf moderne und teilweise aufwändigere, aber aussagekräftigere Untersuchungsmethoden mit klinisch relevanten Ergebnissen. Medizinisch sinnvoller und kosteneffektiver ist der möglichst gezielte Einsatz der für die jeweilige Fragestellung am besten geeigneten Untersuchungsmethode. Hierfür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen behandelndem Arzt und Labor erforderlich. Der schnelle Nachweis des für eine Infektion verantwortlichen Erregers und die damit mögliche gezielte und wirksame Therapie führen sehr oft zu einer erheblichen Kostenreduktion z. B. durch Verkürzung der Liegezeiten.

System update: 26/02/2020