Präanalytik

Unter dem Begriff Präanalytik werden alle Vorgänge zusammengefasst, die der eigentlichen Analyse vorausgehen: Vorbereitung des Patienten, Kennzeichnung, Entnahme, Bearbeitung, Lagerung und Transport der Probe in das Labor. Alle diese Arbeitsschritte sollten in schriftlichen Arbeitsanleitungen festgelegt und die Mitarbeiter entsprechend geschult werden.Fehler in der präanalytischen Phase können häufig im Labor nicht erkannt werden und sind die häufigste Ursache insbesondere grob falscher Ergebnisse.Hinweise zur Präanalytik finden sich in diesem Buch zu jeder einzelnen Analyse im speziellen Teil und ständig aktualisiert auf unserer Website

www.froreich-bioscientia.de.

Analysenwerte werden durch Einflussgrößen und Störfaktoren beeinflusst

Einflussgrößen · beeinflussen die Werte in vivo beim Patienten. Die Ergebnisse sind also korrekt, müssen aber unter Berücksichtigung dieser Einflussgrößen richtig interpretiert werden. Hierzu gehören Geschlecht, Rasse, Lebensalter, Körpergewicht, Menstruationszyklus, Gravidität, Höhenexposition, Tages- und jahreszeitabhängige Schwankungen und natürlich Krankheiten. Die Kenntnis dieser Faktoren erlaubt in vielen Fällen eine Einengung des Referenzbereichs und damit eine schärfere Diagnostik. Beeinflussbare Einflussgrößen sind psychischer Stress, körperliche Belastung, Nahrungsaufnahme, Medikamente, Körperlage, venöse Stauung, Rauchen, Alkohol- und Drogenkonsum.

Störfaktoren beeinflussen in vitro nach Entnahme des Untersuchungsmaterials das Analysenergebnis, die Ergebnisse sind damit falsch. Vermeidbare Störfaktoren sind etwa falsches Material (z. B. Plasma statt Serum) und Lagerungs- oder Transportfehler. Unvermeidbare Störfaktoren können verursacht sein durch stark erhöhte Blutfette, Ikterus oder Antikörper.

Probenmaterial

Die richtige Wahl, Handhabung und Kennzeichnung des Untersuchungsmaterials ist unbedingte Voraussetzung für eine zuverlässige Analyse. Zu jedem Parameter finden sich in diesem Buch Angaben über das geeignete Material, Probengefäße und eventuell zu beachtende Besonderheiten bei Abnahme und Lagerung. Diese Angaben sind in rot hervorgehoben. Eine Liste der in unserem Labor verwendeten Materialgefäße und Abnahmebestecke befindet sich am Ende dieses Buches und auf unserer Internetseite www.labor-froreich.de.

Für Blutproben gelten folgende Definitionen:

Vollblut: Venös, im Sonderfall (ggf. eindeutig kennzeichnen) arteriell oder kapillär entnommene nicht aufgetrennte Blutprobe ohne gerinnungshemmende Zusätze.

EDTA–Blut: Vollblut, das mit EDTA ungerinnbar gemacht wurde.

Citrat–Blut: Vollblut, das mit Citrat ungerinnbar gemacht wurde.

Heparin–Blut: Vollblut, das mit Heparin ungerinnbar gemacht wurde.

Serum: Extrazellulärer Anteil des Vollbluts ohne »Blutkuchen«, der nach Abschluss der Gerinnung (30 – 60 min) sofort abzentrifugiert (s. u.) und in ein getrenntes Röhrchen überführt wurde.

Alternativ kann ein sogenanntes »Gelröhrchen« verwendet werden. Dieses enthält ein Separatorgel, das sich nach vollständiger Gerinnung und sofort anschließender Zentrifugation zwischen Blutkuchen und Serum schiebt und diese trennt. Damit entfällt das Überführen in ein zweites Röhrchen.

Eine sofortige Abtrennung des Serums bzw. Plasmas vom Blutkuchen ist wichtig bei der Bestimmung von: Kalium, LDH, GLDH, Magnesium, NSE.

EDTA–Plasma: Zellfreier Überstand des EDTA–Bluts nach sofortiger Zentrifugation und Überführen in ein getrenntes Röhrchen.

Citrat–Plasma: Zellfreier Überstand des Citrat–Bluts nach sofortiger Zentrifugation und Überführen in ein getrenntes Röhrchen.

Heparin–Plasma: Zellfreier Überstand des Heparin-Bluts nach sofortiger Zentrifugation und Überführen in ein getrenntes Röhrchen

Farbcodierung (nach DIN ISO 6710) der RöhrchenDie Zusätze, die dem Blut während der Blutabnahme beigemengt werden, befinden sich in den Abnahmeröhrchen. Diese werden je nach System (Becton & Dickinson = DIN oder Sarstedt) durch folgende Stopfenfarben unterschieden:

EDTA: lila (BD) oder rot (SA)Citrat 10 : 1 (9 Teile Blut + 1 Teil Citrat): hellblau (BD) oder grün (SA)Citrat 5 : 1 (4 Teile Blut + 1 Teil Citrat): schwarz (BD) oder lila (SA)Heparin: grün (BD) oder orange (SA)Fluorid: grau (BD) oder gelb (SA)ohne Zusatz (für Serumgewinnung): rot (BD) oder weiß (SA)Serumröhrchen mit Trenngel: ocker (BD) oder ocker (SA)

Serumröhrchen mit Trenngel

Diese Röhrchen verfügen über ein Separatorgel. Nach Blutentnahme ist wie üblich die Gerinnung (30 – 60 min) abzuwarten. Anschließend werden die Röhrchen sofort zentrifugiert wie zur Serumgewinnung (optimal: 10 min bei 2500 x g in der Ausschwingzentrifige, s. u. unter »Zentrifugation«). Bei der Zentrifugation schiebt sich das Gel zwischen Serum und Blutkuchen und trennt beide. Damit ist eine Überführung des Serums in ein getrenntes Röhrchen nicht mehr erforderlich.Die Gelröhrchen werden besonders empfohlen zur Bestimmung von Kalium, LDH, GLDH, Magnesium und NSE, wenn die einsendende Arztpraxis über eine Zentrifuge verfügt. Für die Bestimmung von Medikamentenspiegeln sind sie nicht geeignet, da es zur Adsorption an das Gel kommen kann. Denkbar ist eine Adsorption prinzipiell auch für andere Substanzen, wenn dies nicht durch Testung überprüft wurde.

Anforderungsschein

Um eine einfache und klare Übermittlung von Analysenaufträgen zu gewährleisten, stellt unser Labor unterschiedliche Anforderungsformulare (Labor allgemein, Mikrobiologie, und fachgebietsbezogene Formulare) zur Verfügung. Bei GKV-Patienten ist immer ein Überweisungsschein (Muster 10 Facharzt oder 10a für Laborgemeinschaften) erforderlich. Ein gedruckter Barcode (pdf417) stellt bei GKV Patienten die Übernahme der notwendigen Patienten- und Abrechnungsdaten sicher.

Alle Auftragsscheine sollten folgende Informationen enthalten:

- Name, Vorname und Geburtsdatum des Patienten- ggf. Geschlecht bei nicht eindeutigem Vornamen- möglichst Barcode-Etikett zur eindeutigen Zuordnung von Auftrag und Material- Krankenkasse und/oder Nummer des Kostenträgers, bei Selbstzahlern Rechnungsanschrift- Stempel des einsendenden Arztes (ggf. mit KV-Nummer) und Unterschrift des Arztes- Bei Krankenhauspatienten Angabe der Station und ggf. des Kostenträgers- Falls nicht eindeutig erkennbar: Angabe der Art des Materials- Bei bakteriologischen Proben: Angabe des Entnahmeortes- Datum und Uhrzeit der Materialentnahme- Verdachtsdiagnose oder Fragestellung- ggf. Ausnahmekennziffer- ggf. Schwangerschaftswoche- ggf. Medikation- ggf. Datenfernübertragungsnummer

Bei GKV-Patienten:

- Versichertennummer- Krankenkassennummer- Lebenslange Arztnummer (LANR)- Betriebsstättennummer (BSNR)- Diagnose nach ICD 10 Code

Beschriftung und Markierung

Die eindeutige Kennzeichnung von Probe und Auftrag ist für eine sichere und schnelle Bearbeitung von großer Bedeutung. Die für Sie zur Verfügung gestellten Barcode-Etiketten verwenden Sie bitte nur für einen Patientenauftrag. Diese Aufkleber können für alle Laboraufträge (Facharzt und Laborgemeinschaft) verwendet werden, also auch für bakteriologische Proben z. B. Urin, Stuhl, Abstriche etc. Nur wenn der Barcode gerade und senkrecht unterhalb des Stopfens klebt ist gewährleistet, das die Analysengeräte den Barcode lesen können.

IMAGE aus der Fachinformation Kennzeichnung von Proben. Neues Image über die Markierung von Markierungsbelegen.

Transport in das Labor

Die Transport- und Lagerungsmöglichkeiten sollten vor der Blutentnahme geklärt sein. Stets ist der kürzeste und schnellste Weg in das Labor anzustreben. Der übliche und sicherste Weg ist die tägliche Abholung durch den Botendienst unseres Labors. Versandtaschen zur Verpackung der Proben stellt das Labor kostenfrei zur Verfügung. Nach den neuesten Transportvorschriften (s. u.) können leider keine 2-Liter-Urinbehälter mehr transportiert werden. Bitte beachten Sie dazu die Informationen unter: »Gewinnung und Handhabung von 24-Stunden-Sammelurin".

Achtung: Für Versand und Transport von diagnostischen, ggf. infektiösen Materialien gibt es bindende Vorschriften (Verpackungsanweisung P 650 der ADR, Europäisches Übereinkommen für die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße/Schiene, Gefahrgutbeförderungsgesetz, Gefahrgutverordnung Straße), die unbedingt einzuhalten sind. Über die aktuellen Vorschriften, auch für den Postversand, informieren wir Sie gern.

Tiefkühlversand

Für einige Untersuchungen ist ein Versand von Serum- oder Plasmaproben in gefrorenem Zustand notwendig. Der von uns dazu angebotene Tiefkühlbehälter (VK2) kann 2 Probenröhrchen mit Inhalten bis zu jeweils 10 ml aufnehmen.

Handhabung:

- Kühlbehälter offen über Nacht in das Tiefkühlfach eines Kühlschrankes einlegen- Serum- oder Plasmaproben getrennt einfrieren- Proben in gefrorenem Zustand in den vorgekühlten Behälter geben und verschließen- bis zum Transport im Tiefkühlfach lagern- kurz vor dem Transport Behälter in die Styroporbox geben, Box mit Gummiband verschließen- Auftragsformular beilegen

Blutentnahme unter Standardbedingungen

Zu den häufigsten und folgenreichsten Fehlern in der Präanalytik gehören noch immer Probenverwechslungen.- Deshalb müssen die Röhrchen vor der Entnahme mit Namen, Vornamen und Geburtsdatum beschriftet oder mit einer Nummer (bzw. Barcode) versehen werden, die jede Verwechslung ausschließt und den Patienten eindeutig identifiziert.- Durch Befragen des Patienten die Daten auf dem Auftragsschein prüfen.- Der Patient sollte unmittelbar vor der Entnahme mindestens 5 Minuten sitzend oder liegend ruhen.- Die Blutentnahme sollte zwischen 7 und 9 Uhr morgens bei liegendem oder sitzendem Patienten vor der Einnahme von Medikamenten und vor Durchführung intramuskulärer Injektionen stattfinden (z. B. erst Blut abnehmen, dann impfen). Dies vermeidet u. a. falsch hohe CK-, GOT- und LDH-Werte.- Der Patient sollte nüchtern sein (Nahrungskarenz für 12 Stunden) und in den letzten drei Tagen nicht exzessiv Alkohol getrunken sowie keine erschöpfenden körperlichen Arbeiten (u. a. CK-, GOT-, LDH-Anstieg) durchgeführt haben.- Als Entnahmestellen eignen sich die oberflächlichen Venen der Ellenbeuge, des Unterarms und des Handrückens.- Zur Venenstauung die Staubinde eine Handbreit oberhalb (proximal) der Entnahmestelle mit einem Staudruck zwischen 50 – 100 mm Hg (der Puls muss noch tastbar sein) anlegen. Öffnen und Schließen der Faust vermeiden. Es sollte nicht länger als 30 Sekunden, maximal 1 Minute gestaut werden.- Nach Auswahl einer geeigneten Vene durch visuelles Begutachten und Tasten die Einstichstelle mit einem für diesen Zweck zugelassenen Mittel desinfizieren- In einem Einstichwinkel unter 30° die Kanüle mit dem Schliff nach oben zügig einstechen. Dabei die Haut gegen die Stichrichtung leicht spannen. Kanüle nicht vorher knicken.- Sobald das Blut fließt, die Stauung lösen. Ist das gewünschte Blutvolumen erreicht (Röhrchen mit Antikoagulans immer bis zur Markierung füllen), Tupfer auf die Einstichstelle legen und Kanüle zurückziehen.

Alle Röhrchen mit Antikoagulans unmittelbar nach der Abnahme durch vorsichtiges Schwenken gut durchmischen, damit die Gerinnung vollständig gehemmt wird (Blutproben mit Mikrogerinnseln sind in der Regel unbrauchbar).

Anmerkung: Die so genannten Standardbedingungen sind nicht immer zu realisieren und auch nicht immer notwendig. Für viele Laboruntersuchungen stört ein leichtes Frühstück zwei bis drei Stunden vor der Blutentnahme nicht. Bei Blutzucker- und Blutfettbestimmungen sollten die Vorgaben der Standardentnahme jedoch genau eingehalten werden. Für besondere Analysen (Prolaktin, Adrenalin, Cortisol u. a.) finden Sie spezielle Hinweise bei den einzelnen Analysen, die genau beachtet werden sollten. Natürlich sind die Standardbedingungen in Notfällen oder z. B. bei Kleinkindern nicht immer einzuhalten. Informieren Sie sich über mögliche Einfluss- und Störfaktoren im Labor.

Bei Füllung mehrerer Röhrchen wird zur Vermeidung von Kontaminationen folgende Reihenfolge empfohlen:

1. Blutkultur (für mikrobiologische Untersuchung)2. Nativblut (Röhrchen ohne Antikoagulans zur Serumgewinnung)3. Na-Citrat-Blut (10 : 1 für Gerinnungsanalysen, 5 : 1 für Blutsenkungsgeschwindigkeit)4. Heparin-Blut5. EDTA-Blut6. Fluorid-Blut7. Röhrchen mit zusätzlichen Stabilisatoren

Das Gerinnungsröhrchen sollte nie am Anfang stehen, weil das erste Röhrchen zwangsläufig mit Gewebeflüssigkeit kontaminiert wird. Röhrchen mit Zusätzen kommen nach dem Nativblutröhrchen (»Vollblut« ohne Zusätze), um Kontaminationen zu verhindern. Der Einfluss von Kreuzkontaminationen unter den Additiven ist bei der beschriebenen Reihenfolge am geringsten.

Bei Probenentnahme über einen Gefäßkatheter ist das doppelte Totvolumen zu verwerfen, damit die Ergebnisse nicht durch Rückstände aus dem Katheter verfälscht werden.

 

Zentrifugation

Für einige Analysen ist es notwendig, schon vor dem Transport in das Labor das Serum bzw. das Plasma von den festen Blutbestandteilen zu trennen. Bei diesen Analysen wird im speziellen Teil des Buches z. B. durch den Vermerk »Serum« bzw. »Plasma« statt (Voll-)Blut darauf hingewiesen. Mit einer Zentrifuge können in kurzer Zeit die festen Blutbestandteile des Nativbluts abgetrennt werden. Dabei ist die Beachtung der Zentrifugalbeschleunigung wichtig. Es empfiehlt sich, Blutabnahme- und besonders Uringefäße in 90° Ausschwingrotoren zu zentrifugieren, da nur hier die spätere Sedimentoberfläche einen rechten Winkel zur Röhrchenoberfläche bildet. Diese erleichtert das spätere Abpipettieren des Serums/Plasmas oder Urins (bei der Sedimentherstellung wichtig).Die Formel zur Berechnung der sog. »Relativen Zentrifugalbeschleunigung« lautet:

RZB = 1,118 x 10-5 x r x rpm2 [g]

»RZB« ist die relative Zentrifugalbeschleunigung in Vielfachen der Erdbeschleunigung (g);»r« ist der Radius der Zentrifuge (Mitte Zentrifuge bis Mitte Röhrchen) in cm;»rpm« ist die Zahl der Umdrehungen pro Minute;»g« ist die Erdbeschleunigung bzw. die Einheit, in der RZB angegeben wird.

Folgende Zentrifugationseinstellungen (bei 15 – 24 °C) sind zu empfehlen:

Serum: Nach Abschluss der Gerinnung (etwa 30 – 40 Minuten) sollte die Probe mindestens 10 Minuten bei einer RZB von 1500 x g zentrifugiert werden. Bei einem Radius von 10 cm entspricht dies einer Drehzahl von ca. 3700 U/min.Plasma: Um zellfreies Plasma zu erhalten, ist antikoaguliertes Blut (Citrat-, EDTA- oder Heparin-Blut) mindestens 15 Minuten bei einer RZB von 2000 x g (bis maximal 3000 x g) zu zentrifugieren. Bei einem Radius von 10 cm entspricht dies einer Einstellung von ca. 4200 U/min.Urin: Zur Herstellung von Urinsedimenten zur Untersuchung in der Praxis muss vorsichtiger zentrifugiert werden, da die Zellen (Erythrozyten u. Leukozyten) sowie Zylinder während der Zentrifugation viel leichter zerstört werden können. Empfohlen werden 10 Minuten bei einer RZB von 400 x g (bis maximal 500 x g). Bei einer Zentrifuge mit 10 cm Radius entspricht dies einer Drehzahl von ca. 1900 U/min.

Aufbewahrung

Im speziellen Teil des Buches werden die Haltbarkeit und die Lagerungsbedingungen für jede Analyse angegeben. Für eine längere Lagerung oder bei instabilen Messgrößen, wenn Serum- oder Plasmaproben einzufrieren sind, müssen sie vorher vom zellulären Anteil des Blutes (Blutkuchen) durch Zentrifugation abgetrennt werden. Die Verwendung von Trenngelen erlaubt leider kein Einfrieren von Vollblutproben. Der Überstand ist in diesen Fällen immer nach der Zentrifugation in ein Röhrchen ohne Zusatz zu dekantieren und kann dann eingefroren werden.

Blutausstriche

Blutausstriche für die Hämatologie müssen aus möglichst frischem Blut hergestellt werden. In der Regel sollte frisches EDTA-Blut taggleich in das Labor gesandt werden, das die Ausstriche anfertigt.Die Eigenanfertigung von Ausstrichen wird nur bei Erfahrung und unvermeidbarer längerer Lagerung empfohlen.Durchführung: Benötigt werden 2 Objektträger, davon 1 Objektträger mit Mattrand.1 Tropfen Blut wird in der Nähe des Mattrandes auf den Objektträger gegeben. Ein zweiter Objektträger wird von der Mitte des ersten Objektträgers aus in einem Winkel von 30 – 45 Grad rückwärts auf den Blutstropfen hin bewegt, bis der Blutstropfen durch Kapillarkraft unter die Kante des zweiten Objektträgers gezogen wird. Dann wird dieser in entgegen gesetzter Richtung wieder zum anderen Ende des ersten Objektträgers geschoben, so dass ein dünner Blutfilm auf der Oberfläche entsteht, der fast die ganze Breite des Objektträgers einnimmt und allmählich ausläuft. Die Beschriftung erfolgt mit Bleistift auf dem Mattrand des ersten Objektträgers. Die Blutausstriche werden luftgetrocknet und in speziellen Schutzbehältern (Bestell-Nr.: VO2) zum Versand gebracht.

Präanalytik für den 13C-Harnstoff-Atemtest

Der Atemtest ist eine indirekte Methode zum Nachweis einer Helicobacter pylori-Besiedelung der Magen- und Duodenalschleimhaut.

Vorbedingungen: Um falsch »normale« Ergebnisse zu verhindern, sollte mind. eine Woche vor Testdurchführung die Einnahme von Protonenpumpenhemmern abgesetzt werden sowie eine evtl. vorangegangene Eradikationstherapie oder sonstige Antibiotikabehandlung mindestens 4 Wochen zurückliegen. Der Patient sollte zur Durchführung des Testes nüchtern sein (mind. 4 Stunden).

Durchführung: Zur Durchführung stellt unser Labor ein Testkit mit Strohhalmen und 4 Röhrchen zur Verfügung. Entsprechend der Beschriftung sind darin 2 Röhrchen für Atemluft vor und 2 Röhrchen für Atemluft 30 Minuten nach Gabe von 13C-Harnstoff enthalten. Die Testsubstanz 13C-Harnstoff ist nicht radioaktiv. Sie muss über die Apotheke bezogen werden.

1. Sammeln der Leerproben: Nehmen Sie den Stopfen des Glasröhrchens mit der Beschriftung »Atemluft: 0 min (Leerwert)« ab.2. Gehen Sie mit der Spitze eines Strohhalms bis zum Boden des Röhrchens.3. Der Patient atmet kräftig ein und bläst die Ausatmungsluft vollständig durch den Strohhalm in das Glasröhrchen. Wichtig: um Alveolarluft zu erhalten bzw. Totraumluft zu eliminieren, ist vollständiges Ausatmen erforderlich. Danach sofort das Röhrchen mit dem Deckel verschließen.4. Wiederholen Sie das Gleiche mit dem zweiten, mit »Atemluft: 0 min. beschrifteten Röhrchen.

Beide Röhrchen beschriften: Name des Patienten, Entnahmedatum und Zeitpunkt.

Hinweis: Manche Patienten atmen nach dem Ausatmen versehentlich vor dem Herausziehen des Strohhalms kurz wieder ein. Dies kann zu falsch negativen Ergebnissen führen.

13C-Harnstoffeinnahme

1. Lösen Sie die Testsubstanz (75 mg 13C-Urea) in 200 ml Orangensaft oder Apfelsaft vollständig auf. Gut umrühren!2. Der Patient bekommt die Lösung zu trinken.3. Sammeln der Atemprobe genau 30 Minuten nach Einnahme der Testsubstanz.4. Vorgehen wie bei Punkt 2. bis 5. der Leerproben, jedoch die mit »Atemluft: 30 min« beschrifteten Glasröhrchen verwenden.5. Wieder beide Röhrchen beschriften.6. Versand der 4 Probenröhrchen zur GC/MS-Analyse an unser Labor.

Gewinnung von 24-Stunden-Sammelurin

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Ausscheidungsmengen lassen sich viele quantitative Messungen im Urin nur vergleichen und beurteilen, wenn man sie auf die Tagesausscheidung bezieht. Die Ergebnisse sind dargestellt als Mengenangabe pro Tag und nicht, wie von Bestimmungen im Blut gewohnt, pro Liter. Für die Gewinnung und Handhabung des 24-Stunden-Sammelurins ist Folgendes genau zu beachten:Trinkmenge während der Sammelperiode 1,5 – 2 Liter/TagDiätvorschriften beachten (s. Angaben im speziellen Teil)

Das Sammelurin-Set besteht aus:(A): Sammelflasche(B): Auffangbehälter(C): 30 ml-Röhrchen(D): Glasfläschchen mit 9 ml Salzsäure 20 %ig(E): Etikett für 30 ml-Röhrchen

Am Morgen nach dem Aufstehen die Blase in die Toilette entleeren. Datum und Uhrzeit der Blasenentleerung auf dem beigefügten Etikett (E) notieren. Die Sammlung wird am nächsten Tag zur gleichen Uhrzeit beendet.1. Benutzen Sie den Auffangbecher (B) zum Auffangen aller nach diesem Zeitpunkt anfallenden Urinproben und sammeln Sie diese in der Sammelflasche (A).2. Falls Sie ein Glasfläschchen (D) erhalten haben, gießen Sie den gesamten Inhalt (Säure) in die Sammelflasche (A). Das Fläschchen (D) enthält 9 ml 20 %ige Salzsäure. (Achtung: Reizt die Augen, die Atmungsorgane und die Haut! Bitte unter Verschluss und für Kinder unzugänglich aufbewahren. Bei Berührung mit den Augen sofort gründlich mit Wasser abspülen und Arzt konsultieren. Bei Unfall oder Unwohlsein sofort Arzt hinzuziehen, wenn möglich dem Sammelurin-Set beiliegendes Etikett vorzeigen).3. Verschließen Sie die Sammelflasche (A) gut und schwenken Sie diese. Sammeln Sie jeden weiteren Urin, auch bei Stuhlgang, und geben Sie diesen in die Sammelflasche (A). Verschließen Sie nach jeder Zugabe die Sammelflasche (A) gut und schwenken diese. Gehen Sie am nächsten Tag zu der am Vortag notierten Uhrzeit auf die Toilette, entleeren Sie ihre Blase und sammeln Sie diesen Urin. Die Sammlung ist damit beendet.4. Lesen Sie die gesammelte Menge an der Skala auf der Sammelflasche (A) ab. Tragen Sie diese Zahl auf dem Etikett (E) ein. Füllen Sie das Etikett (E) vollständig aus.5. Verschließen Sie die Sammelflasche, schwenken diese zur Mischung des Inhalts 2 – 3 x über Kopf und geben Sie etwas Urin aus der Sammelflasche (A) in den Auffangbecher (B).

 

IMAGE Reizend

6. Füllen Sie das 30 ml-Röhrchen (C) bis zur 30 ml-Markierung mit dem Urin.7. Verschließen Sie das Röhrchen (C). Kleben Sie das ausgefüllte Etikett (E) auf das Röhrchen (C). Geben Sie das Röhrchen (C) bei Ihrem Arzt ab. Alle übrigen Bestandteile des Sammelurin-Sets können mit dem Hausmüll entsorgt werden.

Achtung: Scheidet der Patient mehr als 3 Liter während der Sammelperiode aus und benötigt demzufolge mehr als einen großen Urinbehälter, so kann die Gesamtmenge des Urins vor Ort (z. B. in der Praxis) nicht mehr gemischt werden. In diesen Fällen muss aus allen Behältern eine Probe nach dem jeweiligen Mischen ins Labor geschickt werden. Dabei müssen die jeweiligen Füllstände der Flaschen auf den Röhrchen vermerkt werden (wichtig!). Beispiel: Röhrchen 1 (C): 30 ml Urin aus Sammelflasche 1 (3000 ml), Röhrchen 2 (C): 30 ml Urin aus Sammelflasche 2 (500 ml).

Gewinnung von Mittelstrahlurin

Mittelstrahlurin wird verwendet für Teststreifenuntersuchung, Urinsediment oder andere Untersuchungen, z. B. Proteindifferenzierung. Zur qualitativen bzw. semiquantitativen Erfassung von Urinbestandteilen wird ebenfalls Mittelstrahlurin verwendet. Bei der Entnahme und Handhabung ist folgendes zu beachten (vgl. auch Angaben zur mikrobiologischen Untersuchung von Urin):

- Ab 2 Uhr nachts kein Wasser mehr lassen.- Harnröhrenöffnung und Hände vor der Uringewinnung waschen (vgl. Angaben zur Durchführung von bakteriologischen Untersuchungen).- Ersten oder zweiten morgendlichen Mittelstrahlurin (je nach klinischer Fragestellung) verwenden. Dafür erste Urinportion verwerfen, mittlere Portion in einem sauberen Plastikbecher sammeln, den Rest wiederum verwerfen.- 10 ml in einem entsprechenden Transportbehälter ins Labor schicken.- Für Urinteststreifen- und Urinsediment-Untersuchungen sollte der Urin innerhalb von zwei Stunden verarbeitet werden, da sonst die Bakterienvermehrung die Ergebnisse verfälschen könnte und wichtige Sedimentbestandteile (Erythrozyten, Leukozyten, Zylinder etc.) zerstört werden.

System update: 26/02/2020